Tomcatwilson

Gitarre, Banjo und Bodhrán: Die Instrumente des Irish Folk

· Tom "Cat" Wilson
Gitarre, Banjo und Bodhrán: Die Instrumente des Irish Folk

Wer zum ersten Mal eine irische Folkband live erlebt, den trifft der Sound oft wie eine Welle. Da ist diese Wärme, diese Energie, dieses Gefühl, das gleichzeitig uralt und quicklebendig klingt. Und mittendrin eine Handvoll Instrumente, die seit Jahrhunderten denselben Job machen: Menschen zusammenbringen, zum Mitsingen verleiten, Geschichten erzählbar machen.

Die Akustikgitarre – das Rückgrat des Folk

Klar, die Gitarre ist kein irisches Originalinstrument. Aber sie hat sich im Irish Folk so tief verwurzelt, dass man sie sich heute kaum mehr wegdenken kann. Ihre Aufgabe ist oft die des stillen Helden: Sie hält den Rhythmus, gibt der Melodie einen harmonischen Boden und kann in den richtigen Händen ein ganzes Pub mit Energie füllen.

Im Irish Folk wird die Gitarre meist mit einem offenen Tuning oder in DADGAD gespielt – eine Stimmung, die dem Instrument diesen charakteristisch offenen, leicht melancholischen Klang gibt. Fingerpicking wechselt mit Strumming, je nachdem, ob gerade eine Ballade oder ein flotter Reel gespielt wird.

Wer die Gitarre gut beherrscht, kann damit alleine auf einer Bühne stehen und trotzdem das Gefühl vermitteln, da spiele eine ganze Band.

Bodhrán – das Herz des Rhythmus

Die Bodhrán (ausgesprochen ungefähr: „Bow-rawn") ist das Schlagzeug des Irish Folk – und sie ist so simpel wie genial. Im Grunde eine runde Rahmentrommel mit einem Fell aus Ziegenhaut, die mit einem kurzen Holzstab namens Tipper oder Beater gespielt wird. Keine Schrauben, keine Technik, kein Strom. Nur Fell, Holz und die Hand des Spielers.

Was die Bodhrán so faszinierend macht: Sie klingt in schlechten Händen furchtbar und in guten Händen atemberaubend. Die freie Hand auf der Rückseite des Fells steuert den Ton, dämpft, moduliert – eine Technik, die Jahre braucht, um wirklich sauber zu klingen. Wer sie einmal richtig spielen hört, versteht sofort, warum sie das Tempo und die Energie einer ganzen Session tragen kann.

Laut Wikipedia wurde die Bodhrán erst in den 1960er Jahren durch den Musiker Seán Ó Riada populär – für ein so prägendes Instrument eine erstaunlich junge Geschichte.

Banjo – die amerikanische Seele im irischen Sound

Das Banjo klingt nach Country, nach Mississippi, nach Südstaaten-Porch. Und trotzdem ist es aus der Irish-Folk-Szene nicht mehr wegzudenken. Wie das? Weil irische Auswanderer das Instrument in Amerika kennenlernten und es mit nach Hause brachten – und es sich wunderbar in die schnellen Melodielinien des Traditional einpasst.

Im Irish Folk wird meist das vierchörige Tenor-Banjo gespielt, gestimmt wie eine Mandoline. Der helle, perkussive Klang schneidet durch jede Sessionsituation und gibt den schnellen Jigs und Reels eine besondere Energie. Wer ein Banjo-Solo über einen irischen Reel hört, der versteht: Das passt einfach.

Tin Whistle und Flöte – die Melodiestimme

Die Tin Whistle – eine einfache Metallflöte für ein paar Euro – ist das vielleicht demokratischste Instrument des Irish Folk. Fast jeder fängt damit an, weil sie günstig ist und schnell erste Melodien produziert. Aber täusch dich nicht: In den Händen eines echten Spielers kann sie weinen, tanzen, schreien.

Die irische Querflöte, meist aus Holz, ist ihr großes Geschwister. Reicher im Ton, voller in der Dynamik, aber auch anspruchsvoller in der Technik. Beide Instrumente sind untrennbar mit dem Klang irischer Musik verbunden.

Mundharmonika – klein, aber oho

Die Mundharmonika hat im Folk-Kontext eine Doppelrolle: Sie begleitet, sie melodiert, und sie passt in jede Jackentasche. Im American Folk und Country ist sie ohnehin gesetzt – aber auch im Irish Folk taucht sie immer wieder auf, vor allem wenn ein Musiker mehrere Instrumente mitbringt und flexibel auf die jeweilige Stimmung reagieren will.

Was die Mundharmonika besonders macht, ist ihre Nähe zur menschlichen Stimme. Sie atmet mit dem Spieler, phrasiert wie ein Sänger. Das macht sie zu einem der ausdrucksstärksten Instrumente überhaupt – auch wenn sie auf den ersten Blick unscheinbar wirkt.

Akkordeon und Concertina

Vollständigkeitshalber: Auch das Knopfakkordeon und die Concertina gehören zu den klassischen Instrumenten irischer Musik. Die Concertina, ein sechseckiges Handzuginstrument, klingt sofort nach irischer Pub-Session. Das Akkordeon bringt Volumen und Tiefe in größere Ensembles.

Was all diese Instrumente gemeinsam haben

Sie sind akustisch. Kein Strom, keine Effektpedale, keine Verstärkerracks. Der Irish Folk lebt von der Direktheit zwischen Instrument, Spieler und Publikum. Was du hörst, kommt aus Holz, Metall und menschlichen Händen – und das spürt man.

Und genau das ist es, was einen guten Folk-Abend von einer bloßen Musikveranstaltung unterscheidet: Wenn Gitarre, Bodhrán und Tin Whistle zusammenkommen, entsteht kein Konzert. Dann entsteht eine Session. Und wer einmal dabei war, will immer wieder zurück.